ALPINALE Geschichte 2018-08-07T11:45:35+00:00

Der Kurzfilm erschafft in wenigen Minuten eine berührende Welt. Er erzählt seine Geschichte mit fesselnder Stimme, bewegenden Gefühlen und schwingt noch lange in den Köpfen nach. Wir lieben den Kurzfilm!“

Manuela Mylonas, Festivalintendantin

Wie alles begann

Der Kurzfilm erschafft in wenigen Minuten eine berührende Welt. Er erzählt seine Geschichte mit fesselnder Stimme, bewegenden Gefühlen und schwingt noch lange in den Köpfen nach. Wir lieben den Kurzfilm!“ Was die ALPINALE Festivalleiterin und Obfrau Manuela Mylonas heute über ihre Motivation sagt, spürte man bereits in den Anfängen der ALPINALE.

Die ALPINALE zählt zu den ältesten Filmfestivals Österreichs. 1982 legten der damalige Film-Amateur Otmar Rützler und der Journalist Günther J. Wolf (Organisator der Bludenzer Literaturtage) mit den Bludenzer Filmtagen den Grundstein für die ALPINALE. Zunächst kamen Nachwuchsliteraten und Amateurfilmer zu einem gemeinsam veranstalteten Wettbewerb zusammen. Schon in den zwei darauf folgenden Jahren wurden Wettbewerbe für Amateur- und Nachwuchsfilmer veranstaltet.
1985 wurde unter der Bezeichnung ALPINALE das erste internationale Filmfestival für professionell produzierte Kurz- und Langfilme sowie Amateurfilme in Bludenz veranstaltet.
Aus dem Wappentier der Stadt Bludenz hat sich auch der Preis – das Goldene Einhorn – abgeleitet.

Bereits in den Anfangsjahren konnte die ALPINALE große Erfolge feiern und zahlreiche internationale Gäste begrüßen. Neben den Regisseuren Luc Bondy, Michael Verhoeven oder Ivan Desny besuchte u.a. der damalige Nationalratspräsident und spätere Bundespräsident Dr. Heinz Fischer das Filmfestival.

In den ersten Jahren positionierte sich die ALPINALE als Avantgarde Filmfestival, später lag der Fokus auf dem alpenländischen, dann dem europäischen Nachwuchsfilm. Während europäische Produktionen auch heute noch sehr stark präsent sind, hat sich die ALPINALE mittlerweile international etabliert. Wesentlich war dabei immer, dass sich die ALPINALE seit Beginn als Open-Air Festival verstand.

Der Rückschlag

Nach dem erfolgreichen Start folgten einige Jahre später die Probleme. Der ehrenamtlich arbeitende Verein hatte sehr hohe Schulden angehäuft. Nach dem Rückzug von Günther J. Wolf 1990 übernahm Luigi Seravalli interimistisch die Festivalleitung.

1992 organisierte sich der Verein neu unter der Bezeichnung ALPINALE Vorarlberg. Obmann Alexander Metzler und Festivalleiter Otmar Rützler hatten die schwere Aufgabe den Schuldenberg abzubauen und gleichzeitig das Festival weiterzuführen. Gemeinsam mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Brigitte Burtscher (verh. Newland) und Walter und Michael Wieser gelang es, die Schulden nach einigen Jahren abzubauen. 1993 gründete Michael Wieser parallel zum Hauptbewerb das ALPINALE Kinderfilmfest.

1996 war Otmar Rützler Festivalleiter und Obmann und 1997 übernahm das Gründungsmitglied Manfred Strolz diese Funktionen. Doch auch weiterhin gab es Schwierigkeiten. Aufgrund des Schuldenabbaus und Schwierigkeiten mit der Stadt Bludenz fehlten wichtige finanzielle Mittel und so fand 1999 zum letzten Mal die ALPINALE als Open-Air im Park der Volksschule „Bludenz Mitte“ statt.

In den nächsten beiden Jahren fand das Festival im örtlichen Kino statt. Doch die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Kinopächter Walter Sahler gestalteten sich zusehends schwierig. Die ALPINALE durfte nur im kleinen Kinosaal abgehalten werden, der nur 80 Plätze in vier Reihen hatte. Jury, Ehrengäste und Journalisten belegten davon einen Teil und für normale Besucher blieb somit nicht mehr viel übrig. Eine Ausweichmöglichkeit hätte die neu errichtete Remise Bludenz sein können. Eine mangelnde Abstimmung zwischen der Stadt Bludenz und den Festivalbetreibern sowie die Nichteinhaltung mündlicher Absprachen führten schließlich zum Zerwürfnis. 2002 fanden nur das ALPINALE Kinderfilmfest und einige Lesungen statt. Die Zukunft des Festivals war ungewiss.

2003 stellte sich Alexander Strolz der Herausforderung, die ALPINALE weiterzuführen. Nachdem sein Vater bei der Neuwahl des Vorstandes nicht mehr antrat, wurde Alexander Strolz zum Obmann und Festivalleiter gewählt. Schließlich fand man in der Marktgemeinde Nenzing eine neue Heimat. Nenzing hat zwar kein klassisches Kino, doch mit dem Ramschwagplatz waren endlich wieder Open-Air Vorführungen möglich und mit dem Ramschwagsaal direkt daneben bieten sich der ALPINALE sehr gute Bedingungen. Obwohl nun nicht mehr in Bludenz, wurden die Goldenen Einhörner als Preise beibehalten. Die ALPINALE und deren Preise, die Einhörner, haben in der Festivalwelt mittlerweile einen anerkannten Stellenwert. Es symbolisiert als das edelste aller Fabeltiere das Gute.

Die Neustrukturierung

Nach Kritik an der inhaltlichen Ausrichtung der ALPINALE von außen evaluierte 2005 Christine Dollhofer (Geschäftsführerin der Diagonale von 1997 -2003 und seither Festivalleiterin von „Crossing Europe“ in Linz) das Festival und coachte den Verein.
Dabei entstand die Idee Vorarlberger Filmschaffenden eine Bühne zu geben. 2006 starteten zum ersten Mal Kurzfilme in der eigenen Wettbewerbskategorie „v-shorts“ und stärkten den Vorarlberg-Bezug des Festivals. Ab 2006 leitete Christian Wachter die Geschicke des Vereins und Ende 2008 wurde schließlich Manuela Mylonas zur Obfrau und Festivalleiterin gewählt.

Mit dem Wechsel an der Spitze 2008 wurde umstrukturiert. Manuela Mylonas lud Vorstand, Vereinsmitglieder und Wegbegleiter der ALPINALE ein, um gemeinsam den Grundstein für ein klares Konzept zu erarbeiten.

Die deutlichste Veränderung war die klare Positionierung als Kurzfilmfestival. Während in den Anfangsjahren Langfilme erwünscht waren und Kurzfilme nur am Rande vorkamen, hatte sich die ALPINALE über die Jahre immer stärker zum Kurzfilmfestival entwickelt. Mit der Neupositionierung wurde dieser Entwicklung nun Rechnung getragen. Seither lautet die offizielle Bezeichnung „ALPINALE Kurzfilmfestival“. In den vergangenen Jahren wurde die Organisation kontinuierlich verbessert und breiter aufgestellt. Die ALPINALE lebt noch immer vom großen ehrenamtlichen Engagement des Vorstands und zahlreicher HelferInnen. 2015 gelang es eine Teilzeitmitarbeiterin anzustellen, was eine große Entlastung darstellt.

Der Erfolg

Der Erfolg gab dem ALPINALE Team recht. Seit 2008 konnten u.a. die Besucherzahlen um ein Vielfaches gesteigert werden. Seit 2010 findet jährlich im Frühjahr die Vorarlberger Kurzfilmnacht statt. Dort werden alle eingereichten Vorarlberger Kurzfilme vorgeführt und gleichzeitig öffentlich für das Festival im Sommer vorjuriert. In Zusammenarbeit mit anderen Kulturveranstaltern bringt die ALPINALE Ländle Tour die beliebtesten Kurzfilme in alle Regionen des Landes.
Inzwischen werden jährlich über 1000 Kurzfilme aus über 70 Ländern eingereicht. Von diesen werden rund 30 für den Wettbewerb ausgewählt und kämpfen dort um die begehrten Goldenen Einhörner.

Trotz aller Hürden hat sich die ALPINALE ihre Leidenschaft für herausragende (Kurz)Filme und die familiäre Atmosphäre bewahrt. Branchengäste und die internationale Fachjury schätzen zudem die Regionalität und das Alpenpanorama.

Erfolgreiche ALPINALE Preisträger

Die Erfolgsgeschichten von Preisträgerfilmen und Filmschaffenden unterstreichen das hochkarätige Programm (Auflistung unvollständig):

Götz Spielmann (errang mit Revanche eine, Oscar Nominierung 2009); Er hat seinen Hochschul-Abschlussfilm damals in Bludenz gezeigt.
2008 gewann Spielzeugland von Jochen-Alexander Freydank das Goldene Einhorn für den Publikumspreis und im darauffolgenden Jahr den Oscar bei den Academy Awards.

2016 gewann die isralische Regisseurin Elite Zexer (2009 Lobende Erwähnung bei der ALPINALE für Tasnim) den Grand Prize der Jury beim Sundance Festival für ihr Spielfilmdebut und wurde für den Auslandsoscar nominiert.
2016 lief bei der ALPINALE
Am Ende der Wald von Felix Ahrens, der kurz darauf den Studenten-Oscar gewann.

2017 gewann Watu Wote von Katja Benrath das Goldene Einhorn als Bester Kurzfilm Hochschule Der Film gewann danach den Studentenoscar und war für den Oscar als Bester Kurzfilm nominiert.

Zahlreiche Regisseurinnen und Regisseure, die mit ihren Kurzfilmen bei der ALPINALE waren, brachten später ihre Filme ins Kino.

Während die ALPINALE jahrelang eine Nischenveranstaltung war, hat sie sich mittlerweile zu einer starken Marke entwickelt und ist ein wichtiger Bestandteil der Vorarlberger Kulturszene und der internationalen Festivalszene.